#18 Ascolta — Éliane Radigue

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  • Donnerstag, 02. April 2026, 18:00–19:00 Uhr
  • Toni-Areal, Kompositionsstudio 3.D02, 3. Etage
  • Pfingstweidstrasse 96, Zürich

Freier Eintritt


Éliane Radigue (24. Januar 1932 – 23. Februar 2026) war eine bedeutende französische Komponistin.

Éliane Radigue mit Katze

Éliane Radigue wurde in Paris geboren. Sie studierte elektroakustische Kompositionstechniken im Studio d’essai des RTF bei Pierre Schaeffer und Pierre Henry (1957–58). Nach einer längeren Zeit, die sie hauptsächlich der Erziehung ihrer drei Kinder widmete, arbeitete sie von 1967 bis 1968 als Assistentin von Pierre Henry im Studio Apsome. Sie war Gastkünstlerin an der School of the Arts der New York University (1970–71), der University of Iowa, dem California Institute of the Arts und 1998 am Mills College. Sie verbrachte regelmäßig Zeit in den USA und arbeitete in ihrem eigenen Studio in Paris.

Ende der 1960er Jahre schuf Radigue Klangumgebungen mit Endlostonbändern unterschiedlicher Länge, die sich allmählich aus der Phase verschoben und potenziell unendliche Zyklen erzeugten. Diese „kombinatorischen Musikstücke“ wurden in Galerien und Museen präsentiert. Seit 1970 erforschte sie diesen Ansatz in zahlreichen Werken, von Chry-ptus (1970) bis La Danse des Dakinis (1998). Diese Aufführungen, gekennzeichnet durch extreme Kargheit und eine nahezu asketische Qualität, bestehen aus einem kontinuierlichen, sich stets wandelnden Klangfluss von bemerkenswerter Langsamkeit, bei dem die Transformation innerhalb der Klangmasse selbst stattfindet.

Éliane Radigue verstarb am 23. Februar 2026.
Die ascolta-Hörsitzung #18 am 02. April 2026 ist daher ihrem Andenken gewidmet.


Programm

Éliane Radigue — The Resonant Island
Erschienen auf Shiiin (2005)

The Resonant Island war die erste Veröffentlichung des Labels Shiiin, gegründet von Stéphane Roux und Patrick Richer, mit dem Journalisten und Historiker Daniel Caux als engem Mitarbeiter des Projekts. Das Werk erkundet das Wesen der musikalischen Vibration.

Dauer: 55 Minuten

In der Kontinuität von Radigues früheren Aufnahmen taucht dieses Stück die Zuhörenden in ein ruhiges, meditatives und hypnotisches Erlebnis ein. Anspruchsvoll und kompromisslos erinnert es uns zugleich an die Bedeutung des aufmerksamen Hörens. Radigue erkundet Zustände der Fülle, der Leere und der Transparenz — wie in The Reflection of an Island in the Waters of a Lake.

Im Verlauf von 55 Minuten scheint die Klangmasse von Welleneffekten belebt zu werden: ein beständiges, progressives Oszillieren, das sich fast unmerklich um eine Reihe von Brüchen bewegt. Diese subtilen, vielleicht zum Teil eingebildeten Nuancen erzeugen ein eigentümliches Gefühl von Taktilität und öffnen in den Kurven hoher Frequenzen, aufsteigenden Spiralen oder trügerischen Erscheinungen Räume von außerordentlicher Dichte. Nach wenigen Minuten des Hörens tauchen gespenstische Melodien auf: ein Chor, eine Oper mit Solistinnen und Solisten, eine Kirchenorgel. Die Vorstellungskraft wird in Bewegung gesetzt.

Wie Daniel Caux im Begleitheft vermerkt, wurde diese Klangkomposition im Jahr 2000 schrittweise in den Studios des Centre de Création Musicale Iannis Xenakis (CCMIX) in Alfortville komponiert.