XYZ Und AED – Zwei Koordinatensysteme, Ein Lautsprecher
Level: Beginner | Audience: Techniker:in, Komponist:in, Studierende.
Diese Seite erklärt, warum der ICST AmbiDecoder zwei Koordinatensysteme anbietet und wie du entscheidest, welches du verwenden solltest.
Gemeinsamer Kernsatz dieser Decoder-Serie: Der Decoder erzeugt den Raum nicht neu, sondern projiziert ein B-Format-Feld auf ein reales System.
In diesem Artikel geht es um den ersten Schritt dieser Projektion: Geometrie. Koordinaten bestimmen, wo der Decoder Lautsprecher im Raum verortet.
Das Problem: Wie beschreibt man, wo ein Lautsprecher steht?
Ein Lautsprecher im Raum hat eine Position – aber diese Position lässt sich auf verschiedene Arten beschreiben. Der ICST AmbiDecoder bietet zwei Systeme gleichzeitig an:
- XYZ – Kartesische Koordinaten (euklidischer Raum)
- AED – Polarkoordinaten: Azimut, Elevation, Distanz
Beide Systeme beschreiben denselben Punkt im Raum. Der Decoder rechnet intern mit XYZ, zeigt aber immer beide Werte an. Du kannst jederzeit in beiden Systemen editieren – Doppelklick auf ein Parameterfeld genügt.
XYZ – Kartesische Koordinaten
XYZ beschreibt die Position eines Lautsprechers als Punkt im dreidimensionalen euklidischen Raum:
- X – Richtung links/rechts (negativ = links, positiv = rechts)
- Y – Richtung vorne/hinten (positiv = vorne, negativ = hinten)
- Z – Richtung oben/unten (positiv = oben, negativ = unten)
Wann XYZ verwenden? Immer dann, wenn du Messdaten aus einem Laservermessungsgerät, einer CAD-Zeichnung oder einer Architekturdokumentation hast. Solche Daten liegen fast immer in kartesischen Koordinaten vor. Du kannst sie direkt in den Decoder übertragen, ohne umzurechnen.
XYZ-Eingabe ist präzise und reproduzierbar. Sie eignet sich besonders für:
- Konzertinstallationen mit eingemessenen Lautsprechern
- wissenschaftliche Forschungsumgebungen
- Setups, die zwischen Aufführungsorten übertragen werden sollen
AED – Azimut, Elevation, Distanz
AED beschreibt dieselbe Position wahrnehmungsorientiert, ausgehend vom Zentrum des Hörraums:
- A (Azimut) – horizontaler Winkel in Grad (0° = vorne, 90° = links, 180° / -180° = hinten, 270° / -90° = rechts)
- E (Elevation) – vertikaler Winkel in Grad (0° = Horizontalebene, +90° = direkt oben, -90° = direkt unten)
- D (Distanz) – Abstand des Lautsprechers vom Zentrum in Metern
Wann AED verwenden? Wenn du intuitiv nach Richtung und Höhe denkst, nicht nach Koordinaten. AED entspricht der Art, wie Menschen Richtung beschreiben: „Der Lautsprecher hängt links oben, 45° seitlich und 30° erhöht."
AED ist besonders nützlich für:
- schnelle manuelle Konfiguration symmetrischer Arrays
- konzeptuelle Planung von Lautsprecheranordnungen
- Anpassungen im Betrieb, wenn die Geometrie im Kopf schon klar ist
Beide Systeme gleichzeitig
Im Speaker-Parameter-Editor des ICST AmbiDecoders siehst du für jeden Lautsprecher immer beide Darstellungen:
Cartesian XYZ: -1.186 3.110 0.000
Polar AED: 339.12 0.00 3.328
Änderst du einen Wert in XYZ, aktualisiert sich AED automatisch – und umgekehrt. Du verlierst keine Präzision, egal welches System du verwendest.
Tipp: Doppelklick auf ein Parameterfeld öffnet die direkte numerische Eingabe. So kannst du Messwerte ohne Umrechnungsfehler übertragen.
Typisches Praxisszenario
Szenario: Du baust ein Oktagon-Array auf (8 Lautsprecher gleichmäßig im Kreis, alle auf Ohrhöhe, alle 3 Meter vom Zentrum entfernt).
Mit AED geht das schnell:
| Lautsprecher | Azimut (A) | Elevation (E) | Distanz (D) |
|---|---|---|---|
| LS 1 | 0° | 0° | 3.0 m |
| LS 2 | 45° | 0° | 3.0 m |
| LS 3 | 90° | 0° | 3.0 m |
| LS 4 | 135° | 0° | 3.0 m |
| LS 5 | 180° | 0° | 3.0 m |
| … | … | … | … |
Mit XYZ wäre dafür Trigonometrie nötig. AED ist hier eindeutig schneller.
Gegenbeispiel: Du hast ein Konzertsaal-Setup eingemessen und erhältst die Positionen als CAD-Export. Die Koordinaten liegen als X=2.45, Y=-3.11, Z=1.20 vor. Hier nimmst du die XYZ-Werte direkt – keine Umrechnung, kein Fehler.
Häufige Fehlerquelle: Azimut-Konvention
Nicht alle Systeme verwenden dieselbe Azimut-Richtung. Im ICST AmbiDecoder gilt:
- 0° = Front (Richtung Y+)
- 90° = Links (Richtung X-)
- 180° / -180° = Back
Das ist die mathematische Konvention, nicht die Navigation (wo 90° oft Ost = rechts bedeutet). Wenn du Koordinaten aus anderen Quellen importierst, prüfe die Konvention.
Zusammenfassung
Decoder-Serie: Geometrie
Wenn du den Decoder als Dreischritt denkst, ist diese Seite der Teil Geometrie:
- Geometrie bestimmt, wo Lautsprecher im Raum stehen
- Laufzeit bestimmt, wann Signale dort ankommen
- Abstimmung bestimmt, wie deutlich oder wie gefärbt das Ergebnis wahrgenommen wird
Falsche Koordinaten sind deshalb kein klanglicher Charakterzug, sondern ein Setup-Fehler. Erst wenn die Geometrie stimmt, sind spätere Entscheidungen über Delay, Gewichtung oder Filterung sinnvoll beurteilbar.
| XYZ | AED | |
|---|---|---|
| Sinnvoll wenn… | Messdaten vorhanden | Intuitive Winkelplanung |
| Stärke | präzise, direkt aus CAD/Laser | wahrnehmungsorientiert, schnell |
| Typischer Kontext | Konzertinstallation, Forschung | Studio, Probe, Schnelleinstieg |
| Editierbar im Decoder | ja | ja |
Du musst dich nicht entscheiden. Der Decoder zeigt immer beide – nutze das, was die Situation gerade erfordert.